Lieber Winter,
schon lange eigentlich will ich dir einen Brief schreiben. Denke jetzt nicht, ich sei nachlässig weil das eine Weile gedauert hat, Tatsache ist, dass sie mich bisher einfach nicht geküsst hat, die liebe Frau Muse. In Bezug auf andere Themen schon aber nicht in Bezug auf dich.
Denn ich habe das Gefühl, dass auch sie mit dir auf Kriegsfuß steht, die Frau Muse. Die hängt wahrscheinlich gerade auf irgendeiner Couch und liest eine Bibliothek weil sie niemanden küssen will. Weil du eben nicht inspirierend bist, weil du Leben aufsaugst, statt gibst. Und genau das ist der Grund, warum ich nie dazu kam, dir zu sagen, dass ich dich überflüssig finde und dass es mich nervt, dass du schon wieder da bist.
Ist jetzt vielleicht nicht grad nett, aber let’s face it, wenn du mit deiner klammen Dunkelheit und deiner windigen Kälte daherkommst, vergeht einem die mentale Leichtigkeit. Wenn ich rausschaue aus dem Fenster, das jetzt immer geschlossen ist, dann sehe ich die Farbe grau, dann sehe ich Schneeregen und Menschen, die versuchen, vor dir zu fliehen. Und die schauen nicht glücklich aus, die Menschen, wahrscheinlich genausowenig wie ich.
Wenn ich daran denke, dass du jetzt die nächsten Monate hier neben und um uns bist, suche ich Checkfelix und Swoodoo heim und überlege mir, wie ich möglichst schnell und möglichst lang Abstand zu dir gewinnen kann. In der Beziehung erinnerst du mich an Matheschularbeiten damals.
Ich weiß, das ist vielleicht jetzt nicht fair, weil du dir schon Mühe gibst mit den Bergen und all dem Weiß, aber sind wir uns doch mal ehrlich: wann sehen wir denn diese Seite von dir? Nämlich so gut wie nie im Vergleich zu der Dunkelheit und der Farbe Grau. Du bist ja selten so lieb und lässt es auch in den Städten richtig schneien, so, das Schulbusse ausfallen und man sich theoretisch mit nem Schlitten an Autos hängen könnte. Hier machst du immer nur eine Mordssauerei und alles nass und gatschig.
Ich schreibe dir gerade jetzt, weil du es mir schwer machst, dich gern zu haben. Du bist nicht nett zu mir und ich mag dich nicht. Ganz ehrlich. Und es ist mir egal, ob du das jetzt hören willst, oder nicht, aber glaube mir: wenn ich mit jemandem reden könnte, der die Macht hätte, dich abzuschaffen würde ich das tun. Und zwar vorgestern.
Mit keinen freundlichen Grüßen,
ich