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Collodion Wet Plate Photography: Ein Gespräch mit Stefan Sappert, dem Mann mit den Silber-Bildern

February 18, 2011

Eines der Dinge, die in meinem Leben wirklich unheimlich gut sind, ist die Tatsache, dass ich mich ständig mit neuen Dingen auseinandersetzen muss, nein kann, noch besser, WILL!

Letztens, als ich mal wieder mit Andreas ein Kommunikations-Projekt gemacht habe, und natürlich wie bei all unseren Projekten live am Set dabei sein wollte, bin ich in den 22. Wiener Gemeindebezirk gefahren, um bei den Dreharbeiten für den Art/Fashion Film META.MORPH mit den ziemlich abgefahrenen Leder Skulpturen von Una Burke dabei zu sein.

Andreas hatte mir vorher schon irgendwas von einer besonderen Art der Fotografie erzählt, alles was ich noch in Erinnerung hatte war Collo-irgendwas und Silber und alt und selten.

Als ich ankam lief ich schnurstracks Stefan Sappert in die Arme, den ich bis dato nicht kannte und der Mann hat mir dann alles über Collodion Wet Plate Photography (zu deutsch Kollodium Nassplatten Fotografie) erzählt, denn ganz offensichtlich (und ich habe das nachgegoogelt) ist er einer der wenigen Menschen weltweit, die so was überhaupt können. Habe ihn gleich ausgefragt und war ganz glücklich, wieder etwas dazu gelernt zu haben.

Lieber Stefan, was genau ist denn Kollodium Nassplatten Fotografie?

In diesem Fall hier ist es eine sogenannte Ambrotypie auf schwarzem Glas, also eine die Erzeugung eines fotografischen Bildes durch ein Negativ-Verfahren. Die Technik nennt sich „Kollodium Nassplatten Fotografie“ aus dem Jahr 1851 und ist eine der ersten fotografischen Verfahren überhaupt. Dabei wird ein schwarze Glasplatte mit Kollodium beschichtet – einem zähflüssigen chemischem Gemisch aus Äther und Alkohol. Danach wird die Platte im Silberbad lichtempfindlich gemacht um dann unmittelbar darauf  noch nass belichtet zu werden.

Klingt nach einer ziemlich aufwändigen Sache…

Ja, alles geschieht in reiner Handarbeit. Die Fotochemie für dieses Verfahren gibt es nicht mehr zu kaufen, sämtliche Chemikalien werden aus einzelnen Bestandteilen zusammengemischt. Außerdem ist die Kamera ein Spezialanfertigung die auf Bestellung in den USA gefertigt wurde.

Die Ergebnisse sind unglaublich schön und besonders!

Andreas Waldschuetz und Stefan Sappert für Una Burke

Ich liebe die einzigartige Ästhetik dieser Bilder, diese harmoniert auch perfekt mit meinen Arbeiten. Alles in allem ist es eine sehr besondere Art, Dinge festzuhalten – auch durch die Tatsache, dass man Fotografien aus Glas und echtem Silbe vor sich hat.  Was außerdem toll ist, ist die Licht-Echtheit die man mit diesem Verfahren erreichen kann. Ich habe Prints aus 1850 gesehen, die noch immer so aussehen, wie frisch entwickelt.

Krasser Kontrast zu der heutigen schnellen und easy-to-handle Digitalfotografie…

Die Bilder sind voller Schlieren, Artefakten und Fingerabdrücken die auf die Herstellung zurückzuführen sind. Ein einziges Bild herzustellen nimmt eine Menge Zeit in Anspruch. Das ist natürlich nicht vergleichbar mit modernerDigitalfotografie, aber bei meiner Arbeit geht es auch um den Aspekt des Einzelstücks. Jede Ambrotypie ist ein Unikat, dass nicht reproduziert werden kann. Geht beispielsweise eine Glasplatte zu Bruch, ist das wertvolle Bild für immer verloren.

Klingt ziemlich aufwändig für die heutige Zeit. Gibt es einen Markt für diese Art der Fotografie?

Kollodium Nassplatten Fotografie ist zeitaufwändig und kostenintensiv. Man muss die einzelnen Chemikalien besorgen und mischen, sich vorher genau überlegen, was man fotografieren will und das planen. Alles in allem ist es eine sehr besondere Art, Dinge festzuhalten und am Ende hat man Bilder aus Silber. Wenn man sich eine Platte ansieht, sind die hellen Stellen alle aus richtigem Silber. Einfach faszinierend.

Was ist wichtig zu beachten?

Zugegeben, es ist ungeheuer aufwändig Fotografien auf diese Art zu fertigen. Aber wenn man die Ergebnisse betrachtet, sind diese mit keiner anderen Form der Fotografie vergleichbar. Die Frage nach dem Markt ist schwierig zu beantworten, ich würde sagen dieser findet sich eher in der künstlerischen Fotografie, meine Arbeiten wurden in internationalen Galerien gezeigt und in Magazinen veröffentlicht. Fakt ist, dass viele dieses einzigartige Verfahren gar nicht kennen. Ich bin keinesfalls ein Künstler, der aus nostalgischen Gründen mit diesem Medium arbeitet – ich finde es spannend, die Normen moderner Fotografie zu brechen und Projekte und Aufträge mit meiner alternativen Fotografie damit in einen modernen Kontext zu setzen – dies zeigt beispielsweise meine letzte Arbeit für Fashion Designerin Una Burke.

Stefan Sappert gibt sein Wissen um diese besondere Art der Fotografie auch in Workshops weiter. Die nächsten Termine: 18-20 März Wien / 8-10 & 15-17 April Hamburg / 20-22 Mai Bern

Alle Details dazu gibt’s hier: http://www.stefansappert.com/makingof/dates/

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3 Comments

  1. Philipp says:

    Danke. luv

  2. [...] This post was mentioned on Twitter by minusfortynine, Alex vQ. Alex vQ said: Schon mal was von Collodion Wetplate Photography gehört? Kannte ich auch nicht… http://fb.me/KYgAh7jl [...]

  3. [...] baute eine Kamera, in der man ste­hen kann. Er trans­por­tiert sie einem Van und nutzt das Wet Plate Ver­fah­ren, um so große Foto­gra­fien anfer­ti­gen zu kön­nen. Wäre das nicht schon [...]

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