Sich feiern für nichts.
“Eine Phrase wird gekennzeichnet durch zwei Eigenschaften. Die äußere Form ist angeberisch, der Inhalt aber ist nicht der Rede wert,” soll Herr Schopenhauer gesagt haben. Der Satz hat sich mir eingebrannt. Denn das Phrasen-Thema ist eines meiner liebsten, beziehungsweise eines der Themen, die mich fast verzweifeln lassen. Weil es sich dabei um die allanerkannte Problematik der “Second-Hander” dreht, oder einfacher gesagt, die der Menschen, die nicht machen weil sie gerne machen, sondern weil sie wollen, das andere sagen wie toll sie es machen. Was ich damit meine: es ist manchmal fast nicht erträglich für mich zu sehen, wie sich Menschen für nichts feiern, sich gegenseitig bejubeln als hätten sie etwas tolles erreicht. Haben sie aber nicht. Und das schlimmste daran ist, dass sie das wissen. Deswegen schliessen sie Deals mit Anderen ab, die auch nichts machen, auf das sie so richtig selbst stolz sind, und ohne Applaus zu brauchen. So nach dem Motto: “du klatscht für mich, ich klatsch für dich.”
Wenn ich mir ansehe, welche Musik, Kunst oder Persönlichkeiten heute gehyped werden, muss man sie fast Phrasen nennen. Ich stelle mir das Enstehen einer Phrase ungefähr so vor: mittelmäßige Menschen sagen über mittelmäßige Bücher/Filme/Mode/Magazine/Menschen, dass sie toll sind. Weil aber ebendiese mittelmäßig interessanten Menschen natürlich nicht anders sein wollen als andere (ihre Selbstsicherheit beruht darauf, dass sie sich so benehmen wie die Gruppe um sie herum und sie sich zugehörig fühlen wollen durch ein gemeinsames Erscheinungsbild oder ähnliche Sprache) bejubeln sie meisst Dinge, die die Anderen (aus der Gruppe) auch bejubeln. Auch wenn sie das Buch nicht gelesen oder verstanden haben, den Film in Wirklichkeit saulangweilig fanden oder das Magazin nichts anderes macht, als andere in den Dreck zu ziehen und scheiß Fotografen zu angagieren die Mode ablichten, die niemand wirklich schön findet. Lustig ist, solche Meinungen dann zu hinterfragen, denn die meisten dieser Menschen haben keine klare Meinung dazu, warum sie etwas toll finden oder nicht. Aber wie können sie sich dann überhaupt ernst nehmen, beziehungsweise von Anderen ernst genommen werden wenn sie nicht hinter ihren Präferenzen stehen können?
Was mich dann wieder glücklich macht, ist, dass die meisten, Andy Warhol wäre wohl ihre Galleonsfigur, von diesen Applaus-Geilen Blendern ganz schnell wieder in der Versenkung verschwinden. Weil sie niemals nachhaltig agieren können da sie viel zu abhängig von ihrem Publikum sind und das Herz, die Seele und die Leidenschaft ihrem Tun fehlt. Dann sehe ich mir die wenigen an, die schaffen, weil sie nicht anders können und deren Tun getrieben ist von Leidenschaft, von Perfektion, von Kompromisslosigkeit. Sie sind die, die ich bewundere, ihr Erfolg ist das Einzige, was zählt.
“If you want my advice, Peter,” he said at last, “you’ve made a mistake already. By asking me. By asking anyone. Never ask people. Not about your work. Don’t you know what you want? How can you stand it, not to know?” Part 1, Chapter 1, pg. 33, The Fountainhead, Ayn Rand